Wie man Nobelpreise gewinnt – von Peter Ripota

Früher stütze sich Wissenschaft auf Experimente und deren Überprüfbarkeit. Heute genügen sensationelle Behauptungen, schon gibt’s die höchste Auszeichnung für einen Wissenschaftler.

Vor einiger Zeit ging eine sensationelle Wissenschaftsmeldung durch die Welt: Dem Gravitationswellen-Observatorium LIGO in den USA wäre der Nachweis von Gravitationswellen gelungen. Zwei Schwarze Löcher wären zusammengestoßen (unbeobachtet), und man hätte die dabei entstandenen Gravitationswellen gemessen (wissenschaftliche Veröffentlichung, ca. tausend Autoren). Die Messgenauigkeit war so, dass man über vier Kilometer Entfernung mit Hilfe von Laserlicht und Spiegeln eine Verschiebung ebendieser Spiegel messen konnte, die einem tausendstel des Durchmessers eines Protons entspricht. Das wäre umgerechnet der Bruchteil eines Atomdurchmessers auf der Entfernung Erde-Mond, oder die Breite eines Haars auf der Entfernung Erde – nächster Fixstern. Wirklich erstaunlich, zumal die bisherige relative Auflösung – mit Hilfe des sogenannten Mössbauer-Effekts – nur ein Millionstel davon beträgt.

Nichts ist heute unmöglich. Man kann sicher auch Waagen bauen, die das Gewicht eines Atoms bestimmen, indem man es in die Waagschale legt und die Waage dann möglichst zitterfrei hält. Allerdings gibt es dafür zwei Voraussetzungen:
(a) Fremdeinflüsse müssen im Rahmen der erzielbaren Genauigkeit zuverlässig ausgeschaltet werden. Wie das geschieht, sollte der Nutzer im Detail erfahren.
(b) Die Waage muss geeicht sein, Details über die Eichung müssen bekannt sein. Es muss eine „Eichkurve“ geben.

So dachten auch die beiden wissenschaftskritischen Autoren Jocelyne Lopez (Juristin, Spezialistin für Einstein-Theorien) und Wolfgang Engelhardt (langjähriger Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching). Da sie in der Originalveröffentlichung keine Angaben darüber fanden, wandten sie sich an das (aus Steuermitteln finanzierte) Albert-Einstein-Institut in Potsdam, welches maßgeblich an der Entwicklung des Gravitationswellen-Sensors beteiligt war.

Lopez und Engelhardt fragten nicht nur (abwechselnd) nach den Methoden, mit denen die Auflösung um eine Million gesteigert werden konnte, sondern auch danach, wie oft eine derart diffizile Messung bisher durchgeführt wurde, denn von einmal kann man wenig sagen. Antwort des Instituts (natürlich nur verkürzt, ich berichte nur die erstaunlichen Höhepunkte): „Bei dieser hochpräzisen Messung handelt es sich nicht um ein „unbegreifliches Wunder” sondern um das Ergebnis von vielen Jahrzehnten Grundlagenforschung auf höchstem Niveau.“

Aha. Bei genauerer Berechnung ergibt sich nun auch noch, dass zur Feststellung der Verschiebung der tonnenschweren Spiegel genau vier Lichtteilchen vorhanden waren. Ein bisschen wenig für eine so sensationelle Entdeckung aus dem Gebiet der Astrophysik. Und die früheren Einsätze, die Eichkurve? Die wäre in aller Ausführlichkeit in der Veröffentlichung „Calibration of the Advanced LIGO detectors for the discovery of the binary black-hole merger GW150914“ beschrieben. Unsere Amatörforscher besorgten sich die Veröffentlichung, da stand aber nichts dergleichen drin. Der Herr vom Einstein-Institut wusste auch nicht weiter, ein anderer Laser-Spezialist verwies darauf, dass es sich bei der Messung um eine „Heterodyndetektion des Signals“ handelt. Gut, in der Literatur ist dann die Rede von einer „Homodyndetektion“, aber wer wird’s denn so genau nehmen mit den Worten. Ob „Hetero“ oder „Homo“, was soll’s. Wir leben schließlich in einer toleranten Gesellschaft.

Zuletzt stellte sich heraus: Es gibt keine Eichkurve. Es gibt keine Erklärung für die angeblich millionenhaft gesteigerte Genauigkeit. Es gibt keinen Nachweis für Gravitationswellen. Aber es gibt Schwarze Löcher – in den Budgets der Staaten, die solche Unternehmungen finanziell unterstützen, und in den Hirnen derer, die sowas propagieren. Willkommen im Zeitalter des Postfaktischen!

Vermutlich wird demnächst dafür der Physik-Nobelpreis verliehen. Zumindest ist dies die Hoffnung des LIGO-Teams. Schließlich kosten solche Experimente viel Geld, und um das zu bekommen, braucht man Prestige. Aber wehe, Donald Trump fängt wieder mit „alternativen Fakten“ an! Der soll erst mal auf einen Nobelpreis warten, dann darf er auch.

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